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Thema:  Newsletter Soziales Flucht

Art: Newsletter, Flucht, Asyl

Psychosoziales Zentrum und Traglufthallen - GRÜNE Initiativen sorgen für echte Verbesserungen für Geflüchtete

Gleich zweimal können wir uns über echte Verbesserungen für nach Dortmund geflüchtete Menschen freuen: Zum einen wird es ein psychosoziales Zentrum geben, in dem Geflüchteten geholfen werden kann. Zum anderen will die Verwaltung das Nutzungskonzept für die Massenunterkünfte in den Traglufthallen deutlich verbessern (dazu weiter unten).

Psychosoziales Zentrum

Krieg und Flucht belasten Menschen zutiefst. Geschätzte vier von zehn Flüchtlingen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Auch das Einleben in Deutschland bringt psychische Belastungen mit sich.

Was ist eigentlich psychosoziale Behandlung?

Wenn Menschen nicht zurecht kommen mit extremen Erlebnissen, hilft ihnen psychosoziale Unterstützung als eine Vorstufe zur ärztlichen Psychotherapie. Wir gewinnen eine Ahnung vom psychischen Zustand vieler Flüchtlinge, wenn wir uns an die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs erinnern – heute wissen wir, wie wichtig die Hilfe in solchen Situationen ist. Auch viele der 10.000 Kinder, Frauen und Männer, die jetzt nach Dortmund flüchteten, wurden seelisch und/oder körperlich gefoltert oder erlitten andere Verletzungen im Krieg.

Das Dortmunder psychosoziale Adressbuch zeigt: Es gibt ein breites Hilfsangebot in Dortmund. Doch beim Blättern erkennt man auch: Die Dortmunder Hilfsangebote können die Menge der traumatisierten Flüchtlinge nicht behandeln, von den Sprachbarrieren ganz zu schweigen. Ganz abgesehen davon, dass das Asybewerberleistungsgesetz nur bei akuten oder schmerzhaften Erkrankungen zahlt. Oder im Einzelfall auch bei Folteropfern und Vergewaltigten. Die ärztliche Flüchtlingshilfe des IPPNW in Dortmund versucht, die riesigen Lücken ehrenamtlich zu stopfen – Respekt! Doch hilft das alles nur wenig.

Deshalb forderten wir bereits im November 2015 im Sozialausschuss, dass sich die Dortmunder Gesundheitskonferenz mit diesem Thema beschäftigen soll. Auch in den Haushaltsberatungen Ende letzten Jahres wiesen wir darauf hin, dass „ein gezieltes und koordiniertes Angebot für traumatisierte Flüchtlinge, so wie es in anderen Städten bereits existiert“  in Dortmund fehlt.

Gesundheitskonferenz?

Die Dortmunder Gesundheitskonferenz „berät zu Fragen der gesundheitlichen Versorgung auf der örtlichen Ebene mit dem Ziel, Versorgungslücken zu identifizieren und zu schließen. Bei Bedarf werden Handlungsempfehlungen formuliert. Die Umsetzung von Handlungsempfehlungen erfolgt unter Selbstverpflichtung aller Beteiligten.“ Alle Akteure der gesundheitlichen Versorgung in Dortmund sind dabei. En Blick auf die Themenliste spiegelt die Gesundheitsfragen der letzten Jahre: Hier wird wirklich aktuell informiert und koordiniert. Umso wichtiger, dass sich die Konferenz auch mit der Versorgung der Flüchtlinge beschäftigte.

Im Februar fand dann tatsächlich die von uns beantragte Konferenz zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge statt. Zwei Ergebnisse der Konferenz:

1.     Es sollte eine zentrale Ambulanz für Flüchtlinge geben. Schon im Mai.

2.     Aber die „psychiatrische Versorgung traumatisierter Flüchtlinge dürfte sich etwas schwieriger gestalten“, urteilte damals der Chef des Gesundheitsamts

Umso schöner, dass es jetzt doch gelingt: Das Land wird ein Psychosoziales Zentrum der AWO für Erwachsene fördern. erläuterte die Sozialdezernentin schon im Juli im Ausschuss auf unsere Fragen hin. Nun  berät der Sozialausschuss aktuell über das Konzept des Zentrums und die finanzielle Unterstützung der Stadt.

Aus der zentralen Ambulanz aber wurde dann doch nichts. Die kassenärztliche Vereinigung spielte nicht mit, und dann meldeten die Ärzte in Dortmund sinkende Flüchtlingspatientenzahlen. Anders bei den Kinderärzten: Hier „wird nunmehr die Einrichtung einer mobilen Ambulanz geprüft“

Traglufthallen

Bei den Traglufthallen kündigt sich eine deutliche Verbesserung an. So gut es war, (relativ) schnell viele Menschen unterbringen zu können – angemessen und erträglich leben Menschen dort nicht. Wir haben bereits mehrfach die Unterbringung in den Traglufthallen als schwächstes Glied im ansonsten guten Dortmunder Unterbringungskonzept kritisiert. Nun kündigt die Verwaltung in einer Antwort auf eine Anfrage von uns an, das Konzept zu ändern.

Wo liegt eigentlich das Problem bei solchen Hallen?

Früher kannte man Traglufthallen in Dortmund nur als winterliche Bedeckung von Tennisplätzen. Ausbreiten und aufblasen, schon steht die Halle (ok, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Aber es ließ sich Jahr für Jahr wiederholen.). Der Luftdruck innen ist etwas höher und trägt die Halle. Öffnet man die Tür, dann fällt die Halle zusammen. Deshalb gibt es am Eingang eine Luftschleuse, aber mal kräftig durchlüften geht nicht. Zum Tennisspielen im Winter reichte das, da spielten auch nur wenige Leute in der Halle.

Anders verhält es sich im Sommer mit bis zu 300 Menschen. Dann heizen sich die Hallen erheblich auf. Schon im Mai erreichte das Thermometer 27 Grad. Eine Situation, zu der wir die Verwaltung um eine Stellungnahme baten und forderten, die Verweildauer der dort untergebrachten Menschen zeitlich zu begrenzen. Von der letzten heißen Augustwoche gibt es keinen Hallen-Wetterbericht.

Dazu kommt: In den Hallen gibt es zwar Stellwände für ein bisschen Sichtschutz. Aber man hört alles durch die ganze Halle, und von morgens früh bis spät in den Abend brennt beständig Licht. Draußen brandet der Lärm von B1 und B236, die Abgase der größten Straße der Stadt tun ihr übriges.

Wer lebt in den Hallen?

Jede Halle ist für 300 Personen ausgelegt. Die Belegung schwankt. Es waren wohl schon mal zusammen 700 in den beiden Hallen. Anfang August aber nur 183, davon zwei Drittel Eltern (-teile) mit ihren Kindern, erläutert die Verwaltung auf unsere Anfrage hin. Und im Schnitt dauere es drei bis sechs Monate, bis für die Familie eine Wohnung gefunden ist.

Was plant nun die Verwaltung?

Zum einen wurde eine Kühlung eingebaut. Zum anderen überlegt die Verwaltung, das Konzept der Hallen zu einem „Ankunftszentrum“ zu ändern, in dem „notwendige formelle Anforderungen durchgeführt und erste Integrationsbausteine angestoßen werden.“ Das klingt recht nebulös. Doch heißt es weiter: „Nach der durch diese Organisationsform auf ein Mindestmaß reduzierten Verweildauer der Flüchtlinge im Ankunftszentrum soll stufenweise die Unterbringung in baulich qualitativ besseren Übergangseinrichtungen erfolgen. […] Darüber hinaus wird im Barcelonaweg, also direkt neben den Hallen, bereits im September 2016 eine weitere Übergangseinrichtung mit einem neuen Unterbringungsformat eröffnet. Diese Einrichtung ist speziell für die Unterbringung von allein reisenden sowie alleinerziehenden Frauen mit minderjährigen Kindern konzipiert worden. Hierbei finden die besonderen Anforderungen dieses Personenkreises Berücksichtigung.“

Damit wird unsere Forderung erfüllt, die Traglufthallen nur für einen begrenzten Zeitraum für die Unterbringung zu nutzen.

Insgesamt freuen wir uns über die Verbesserungen für die Flüchtlinge in Dortmund. Zwei kleine, GRÜNE Erfolge.

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