Die Wohnsitzauflage zur Nutzung des Drogenkonsumraums soll für eine einjährige Testphase aufgehoben werden. Das teilt die Verwaltung in einer Vorlage für den kommenden Sozialausschuss am Dienstag mit. Auslöser war ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU. Mit dem Beginn der Testphase soll kurzfristig begonnen werden.
„Das ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation für eine größere Gruppe drogenabhängiger Menschen. Denn viele von ihnen kommen täglich nach Dortmund, um hier ihre Drogen zu erwerben, die unmittelbar auch konsumiert werden. Auswärtige Drogenabhängige oder Dortmunder Nutzer*innen ohne Wohnsitznachweis waren aber bisher gezwungen, dies im näheren und weiteren Umfeld der Einrichtung zu tun. Der Drogenkonsumraum und damit die sicheren und medizinisch kontrollierten Möglichkeiten des Konsums waren ihnen bis jetzt versperrt. Das ist eine gesundheitliche Gefährdung der Konsumen*iInnen, die nun beendet wird. Darauf hatte auch die AIDS-Hilfe als Betreiberin des Drogenkonsumraums immer wieder gedrängt“, stellt Benjamin Beckmann, GRÜNES Mitglied im Sozialausschuss fest.
In ihrer Vorlage erläutert die Verwaltung, dass sich die Aids-Hilfe, Gesundheits- und Ordnungsamt sowie die Polizei auf eine einjährige Testphase zur Aufhebung der Wohnsitzauflage verständigt haben. Zum Ende der Testphase soll eine Auswertung der Ergebnisse erfolgen, auf deren Grundlage eine dauerhafte Fortführung erfolgen kann.
Thomas Bahr, sozialpolitischer Sprecher der CDU, kommentiert die Testphase so: „Die Aufhebung der Wohnsitzauflage ist auch eine gute Nachricht für das Umfeld des Drogenkonsumraums. Denn Drogenkonsument*innen ohne den entsprechenden Nachweis waren bisher oft gezwungen, ihre erworbenen Drogen außerhalb des Raums zu konsumieren - öffentlich, in Hauseingängen oder auch in angrenzenden Aufgängen von Geschäften. Das hat dazu geführt, dass gebrauchte Spritzen und andere Utensilien an diesen Stellen zu finden waren. Die Aufhebung der Wohnsitzauflage bietet die Chance, diese Situation auch für das Umfeld deutlich zu verbessern.“
Für GRÜNE und CDU steht fest: Der Drogenkonsumraum ist ein nicht verzichtbares, überlebenswichtiges Instrument im guten Dortmunder Hilfesystem. Die Zahl der Drogentoten in Dortmund ist seit der Eröffnung des Drogenkonsumraums drastisch gesunken - und das, obwohl seit zehn Jahren bundesweit die Zahlen steigen. Das zeigt: Der Konsumraum rettet Menschenleben. Die Aufhebung der Wohnsitzauflage wird zusätzlich dazu beitragen, ebenso wie der/die von Grünen und CDU geforderte Sozialarbeiter*in, die im Umfeld des Drogenkonsumraums weitere Hilfeleistungen anbietet.